Carline wird zum Twitter-Junkie

AKTIVITÄT: Michael hat ein paar ausstehende Freundschaftsanfragen bestätigt. Ich bin jetzt mit meinen Vorgesetzten und Chefs befreundet. Verdammt. Ich hätte doch irgendwann Listen anlegen sollen. Jetzt sehen die nämlich alles. Ist eigentlich noch dieses Foto online, auf dem ich rosa Hasenohren trage und Jägermeister aus einer Eisrutsche trinke?
Darüber hinaus hat Michael 15 Nachrichtenseiten aus dem Socialmedia-Umfeld geliket und ein paar Seiten aus seinem beruflichen Alltag. Außerdem David Hasselhoff. Auweia.

Bei einer Umfrage von Spiegel Online hat er angegeben, ich sei ein „echter Twitter-Junkie“. Ich habe zwar keinen Twitter-Account, aber vielleicht sollte ich darüber nachdenken. Michael sagt, man könne da auch Robbie Williams folgen …

Außerdem spielt Michael unter meinem Namen das Social-Game Fliplife. Hier steht, dass Carline ihrem Boss jetzt Kaffee bringt. Hhm. Schön, dass Michael gerade meine echten Chefs als Freunde hinzugefügt hat. Die sehen das doch jetzt und denken, ich sei nicht zufrieden mit meinem Job.

Einem meiner Kollegen hat Michael ein Bluetooth-Headset mit Geräuschunterdrückung ans Herz gelegt. Witzig. Ich habe gar kein Smartphone. Und ich bezweifle, dass mein antikes Handy weiß, was Bluetooth ist.

REAKTION: Reaktionen: Meinen Vorgesetzten scheint dankenswerter Weise nicht aufgefallen zu sein, dass ich sie ziemlich unprofessionell als Freunde hinzugefügt habeJemand wundert sich auf  meiner Pinnwand, warum ich plötzlich Fan einer Parfümeriekette bin: 

Ein Arbeitskollege amüsiert sich (persönlich) darüber, dass ich Social Games spiele. Meine plötzliche Begeisterung für Seiten wie Techcrunch, Socialbakers und Bürgerdialog Zukunftstechnologien kommentiert niemand. Auch nicht, dass ich angeblich leidenschaftliche Twitter-Nutzerin bin. Die tollen Kopfhörer stoßen ebenfalls auf tiefes Schweigen.

FAZIT: Nur zwei von meinen 228 Freunden stolpern über Kleinigkeiten, die sich in meinem Profil geändert haben. Beide sind Arbeitskollegen, keine Freunde. Gruppenbeitritte scheinen kaum wahrgenommen zu werden. Selbst wenn es 19 Stück in zwei Tagen sind und die Gruppen nicht zu meinen sonstigen Interessen passen. Ich bin verwirrt. Normalerweise machen sich meine Freunden schon lustig, wenn ich mir eine neumodische Errungenschaft wie einen elektrischen Milchschäumer zulege.

 

 

 


Michael mag Take That und Schreibmaschinen


Der erste Tag. Ich fühle mich unwohl.

AKTIVITÄT: Als allererstes habe ich David Hasselhoff blockiert. Der postet die ganze Zeit seltsame Dinge und unterschreibt auch noch mit: „Love, The Hoff“. Ich bin ja eher ein Kind der neunziger Jahre. Boygroups, Männer mit rasierten Oberkörpern und so. Das ganze Programm. Deshalb habe ich erst mal Take That reunion und Schoßgebete von Charlotte Roche geliket. 
Ich habe jemandem, der über seine Probleme mit Excel lamentiert, eine Schreibmaschine empfohlen. Die stürzt wenigstens nicht ab.
Bei der Internationalen Funkaustellung kann ich natürlich auch mitreden. Ich weiß zwar nicht, was ein „connectivity concept“ ist, aber dieser Fernseher aus den 50er Jahren sah toll aus!

Bei einer Umfrage habe ich in Michaels Namen angegeben, kein Twitter-Nutzer zu sein. Obwohl der gute Mann in Wirklichkeit mehr Tweets als Steuern absetzt.
Ein Freund von Michael postet euphorisch, dass er endlich in Berlin angekommen ist. Natürlich habe ich Ibrahim Evsan Herzlich Willkommen geheißen.

REAKTION: Die Empfehlung zur Schreibmaschine kam gut an. Die Twitter-Umfrage blieb unkommentiert, genauso wie Michaels musikalische Neuorientierung. Der Fernseher hat ein Like bekommen und das Herzliche Willkommen einen Tag später auch.

FAZIT: Niemand wundert sich über Michaels Begeisterung für analoge Technik. Niemand seiner 765 Kontakte reagiert auf die Behauptung, er habe keinen Twitter-Account. Würde er das ernsthaft bei einem Feierabendbier erzählen  – seine Freunde würden ihn für verrückt halten. Michael hat über 4.000 Follower. Entweder es fällt niemandem auf oder es interessiert seine Freunde nicht.