Carlines Notebook trägt Lederhosen

AKTIVITÄT: Michael hat mich bei einem Termin in der Akademie für Kommunikation der Bundeswehr eingecheckt. Entzückend. Eigentlich sitze ich gerade in einer Besprechung.

Außerdem hat er einen Blogeintrag gepostet, in dem es darum geht, wer das Social Web eigentlich nutzt. Und irgendwas mit Print, Zukunft und Flipboard:

Michael freut sich auf die Wiesn. Ich vermute, er nimmt seinen Laptop sogar mit aufs Riesenrad. Und was braucht so ein kleines Computerchen auf dem Oktoberfest? Eine Lederhose. Natürlich. So steht es jetzt auf meiner Pinnwand.

REAKTION: Meine Arbeitskollegen sind ernsthaft irritiert. Ich sitze mit meinem Milchkaffee am Schreibtisch und gleichzeitig checkt mein Facebook-Ich ganz woanders ein. Kopfschütteln im Büro. Ob ich das Stundenglas von Harry Potters Hermine hätte, das mich durch die Zeit reisen lässt? Räusper. Will noch jemand einen Kaffee?

Den Laptop in Lederhosn findet ein Freund von mir:

Aber keiner fragt, ob ich wirklich nach München zur Wiesn komme. Seltsam. Vermisst mich keiner meiner Münchner Freunde?
Die Zukunft des Webs und die Nutzung sozialer Netzwerke kommen so mittel an. Insgesamt nur drei Gefällt-mir.

FAZIT: Der offene und nicht zu leugnende Widerspruch stößt auf Reaktionen. Ich kann nicht gleichzeitig im Büro und bei der Bundeswehr sein. Allerdings hinterfragt sonst niemand, was ich da wohl zu tun haben könnte.
Ich habe das Gefühl, entweder liest niemand die Posts oder man nimmt sie nicht ernst. Ist meine Pinnwand unglaubwürdig? Oder irrelevant? Und wenn ja: ist sie es schon immer oder erst seit Michael Praetorius dort sein Unwesen treibt?

Michael mag keine Quetschbrüste



AKTIVITÄT:
Ich habe einer Facebook-Freundin von Michael Tipps gegeben, wie man Marmelade einkocht. Und habe mich auch gleich zum Frühstück eingeladen. Die Frage eines Radiosenders wie man seinen Sonntag verbringt, habe ich kokett beantwortet mit:

In einem Status zum nahenden Oktoberfest habe ich gepostet, dass ich dieses Jahr wirklich keine Lust auf Dirndl, Quetschbrüste und Mundgeruch habe. Armer Michael. Er ist Ur-Münchner und liebt das Oktoberfest.

REAKTION: Die Marmeladenköchin hat sich herzlich bedankt und freut sich auf das gemeinsame Frühstück. Auch wenn sie Michael ewig nicht gesehen und gehört hat.


Die Sonntagsbeschäftigung bekam zwei Likes, aber keine Nachfrage.
Der Status zum Oktoberfest hat inzwischen 14 Likes und acht Kommentare. Die Reaktionen reichen von wilden Spekulationen:

bis hin zu klaren Ansagen:

Michael hat mir eine Nachricht auf der Mailbox hinterlassen. „Carline!! Du zerstörst meine gesamte Reputation! Bist Du irre?“ Musste sehr lachen. Langsam macht das Projekt Spaß.

FAZIT: Untypische Kommentare oder Hobbies wie Marmelade einkochen und Aufhübschen für Bauarbeiter werden einfach hingenommen. Der offizielle Post, der Michaels bisherigem Verhalten komplett widerspricht (Michael geht jedes Jahr täglich aufs Oktoberfest), hat viele Reaktionen provoziert. Auch von ein paar Leuten, mit denen Michael seit Jahren keinen Kontakt hatte. Allerdings: ernsthaft nachgefragt wurde kaum. Nur ein Freund fragt sich, woher der plötzliche Sinneswandel kommt: