Michael will Postkarten statt Sms

AKTIVITÄT: Ich habe ein Foto von meinem wunderschönen Nokia BL-5CT auf Michaels Pinnwand veröffentlicht, das tragisch die Treppe hinuntergestürzt ist:

REAKTION: Amüsement. Verwirrung. Entzifferungsvorschläge.

FAZIT: Michaels Freunde sind auf Zack. Sie merken, dass etwas nicht stimmt. Sie wissen: Das kann nicht Michaels Handy sein! Meine Freunde haben sich immer noch nicht gewundert, wieso ich mit meiner alten Krücke plötzlich einchecken kann.
Seltsam: Wir haben ein paar gemeinsame Freunde. Die hätten eigentlich erkennen können, dass es sich um MEIN Handy handelt.

Carline spielt Fliplife in Heringsdorf

AKTIVITÄT: Michael ist zur absoluten Posting-Hochform aufgelaufen: Er hat mich mit dem Smartphone in Heringsdorf auf Usedom eingecheckt. Mit einem Foto direkt vom Strandkorb AK1.

Außerdem hat er stolz auf meiner Pinnwand mitgeteilt, dass ich den Durchmacher-Pokal bei Fliplife gewonnen hat. Peinlich. Ich habe früher nicht mal echte Pokale ins Regal gestellt.


Gleich darunter hat Michael ein Video von Youtube auf meiner Pinnwand veröffentlicht: Echte Schafe mit leuchtenden Lampen werden benutzt, um PONG zu spielen. Pong ist ein Videospiel aus den 70er Jahren. Aha. Ich bin 1984 geboren und meine Mutter hat mir damals sogar Gameboy verboten. Außerdem schreibt man Schafsherde nicht mit zwei „ee“. Kommt ja nicht von Heer. Böses T9 oder wie man auch immer die Autokorrektur auf dem Smartphone nennt.

Michael ist in der Pizzeria Da Roberto auf Usedom eingecheckt. Außerdem hat er einen Link vom Mediendienst kress kommentiert und das Prinzip von viralen Reichweiten erklärt. Ist klar. Das nennt sich „Aufmerksamkeitsökonomie“, hab ich gehört.

Außerdem hat Michael gepostet, wie schwachsinnig er es findet, dass Ilse Aigner den Bundesministerien Facebook-Verbot erteilt hat. Ich musste erstmal kurz nachsehen, wer noch mal Ilse Aigner ist.

REAKTION: Drei Freunden gefällt der Strandkorb-Check-In in Heringsdorf. Den Pokal, das Schaf-Video, den kress-Kommentar und die Pizzeria haben niemand beachtet. Zum Aigner-Post hat sich sachlich ein alter Freund gemeldet, von dem ich ewig nichts gehört habe. Drei Leute haben sich gewundert. Weil ich eigentlich in einem Hintergrundgespräch mit Hannes Jaenicke war, als Michael den Status veröffentlicht hat.

FAZIT: Ich bin entsetztMeiner besten Freundin gefällt es, dass ich in Heringsdorf einchecke. Ich habe kein Smartphone. Ich finde Einchecken peinlich und unnötig. Ich dachte, sie wüsste das.

Auch die Tatsache, dass ich Social Games spiele scheint niemanden zu irritieren. Dabei mache ich mich gerne und ausgiebig über den ganzen Farmvillequatsch lustig und habe alle Anwendungen blockiert. Komisch, dass mich niemand mit Häme überschüttet. Es gibt doch nichts Schöneres als Menschen dabei zu erwischen, wie sie ihre Prinzipien brechen.

Ich frage mich auch, warum sich niemand für die schlauen Sachen interessiert, die Michael in meinem Namen über Online-Themen schreibt. Ich habe das Gefühl, entweder liest niemand die Posts oder man nimmt sie nicht ernst. Ist meine Pinnwand unglaubwürdig? Oder irrelevant? Und wenn ja: Ist sie es schon immer oder erst seit Michael Praetorius dort sein Unwesen treibt?

Schön, dass wenigstens meine Kollegen aufmerksam werden. Ich komme langsam wirklich in Erklärungsnot.

Michael mag keine Quetschbrüste



AKTIVITÄT:
Ich habe einer Facebook-Freundin von Michael Tipps gegeben, wie man Marmelade einkocht. Und habe mich auch gleich zum Frühstück eingeladen. Die Frage eines Radiosenders wie man seinen Sonntag verbringt, habe ich kokett beantwortet mit:

In einem Status zum nahenden Oktoberfest habe ich gepostet, dass ich dieses Jahr wirklich keine Lust auf Dirndl, Quetschbrüste und Mundgeruch habe. Armer Michael. Er ist Ur-Münchner und liebt das Oktoberfest.

REAKTION: Die Marmeladenköchin hat sich herzlich bedankt und freut sich auf das gemeinsame Frühstück. Auch wenn sie Michael ewig nicht gesehen und gehört hat.


Die Sonntagsbeschäftigung bekam zwei Likes, aber keine Nachfrage.
Der Status zum Oktoberfest hat inzwischen 14 Likes und acht Kommentare. Die Reaktionen reichen von wilden Spekulationen:

bis hin zu klaren Ansagen:

Michael hat mir eine Nachricht auf der Mailbox hinterlassen. „Carline!! Du zerstörst meine gesamte Reputation! Bist Du irre?“ Musste sehr lachen. Langsam macht das Projekt Spaß.

FAZIT: Untypische Kommentare oder Hobbies wie Marmelade einkochen und Aufhübschen für Bauarbeiter werden einfach hingenommen. Der offizielle Post, der Michaels bisherigem Verhalten komplett widerspricht (Michael geht jedes Jahr täglich aufs Oktoberfest), hat viele Reaktionen provoziert. Auch von ein paar Leuten, mit denen Michael seit Jahren keinen Kontakt hatte. Allerdings: ernsthaft nachgefragt wurde kaum. Nur ein Freund fragt sich, woher der plötzliche Sinneswandel kommt:

 

Carline Mohr und Michael Praetorius tauschen ihre digitale Identiät

Die meisten Menschen können ihre besten Freunde an zwei Händen abzählen. Freunde in sozialen Netzwerken dagegen müssen in Kreisen, Listen und Gruppen organisiert werden, damit man den Überblick behält. Michael Praetorius und Carline Mohr fragen sich: Wer von unseren Freunden würde eigentlich reagieren, wenn wir unser digitales Ich komplett verändern? Die beiden wagen das Facebook-Experiment und tauschen ihre Profile.

Hier lest ihr den Status Quo vor dem Experiment und welche Regeln sich die beiden für das Experiment gesetzt haben.

Das Experiment ist beendet. Hier seht ihr im Video die Höhepunkte und lest das Resumee:

und so fing alles an:
Carline und Michael planen den Facebook-Tausch:

Scrollt Euch durch das Tagebuch des Egotauschs und lest, wie es den Beiden erging!